Hämmern.

Hafen Lae. Kurz vor der Abreise nach Heldsbach mit dem Speedboat
Hafen Lae. Kurz vor der Abreise nach Heldsbach mit dem Speedboat (© Momo Kohlschmidt)

Lae Harbour. Ein Boot wird prepariert, unser Boot, ein Speedboat. Es hat eine schöne, schlanke Form. Sein Corpus ist elegant oval und für die lange pazifische Dühnung gebaut. Und für Douglas, unseren Capitano, der schnellste und begehrteste Speedboatrider auf der ganzen Huon-Halbinsel. Während er das offene Boot betankt, verdrücken wir noch einen kleinen Angstschiß in der banachbarten leeren Fischhalle. Eine Plane wird über unseren Plunder gezogen. Unsere blaue Tonne, wie immer erhaben was Feuchtigkeit betrifft, steht lässig neben der 75PS-Maschine.

Douglas, unser Skipper.
Douglas, unser Skipper. (© Peter Adler)
Walter Teunzac und Frederik Schmid auf dem Speedboat nach Heldsbach
Walter Teunzac und Frederik Schmid auf dem Speedboat nach Heldsbach (© Momo Kohlschmidt)

In der Tonne lagert unser Filmequip und heute gilt es. Wir nehmen Platz. Liegend, hockend, ineinander verknotet, Boatpeople. Douglas läßt die Pferde zu Wasser und bringt den „paste“ auf die Dünung. Schnell entfernt sich Lae, die nur wenig geschaute. Die Küstelinie perforiert sich neben die Rehling. Mal in 300 Metern Abstand, mal ganz nahe, denn Douglas fährt nicht einfach stumpf die Idealllinie. Douglas reitet die Welle mit 5o Sachen und mehr. Die nächsten dreieinhalb Stunden. Man ahnt es schnell, er muß ein Künstler sein, ein Meister des feuchten Elementes. Kreuzend, doch immer den Schwung eines Wellenkammes suchend, die Böen und seitliche Dühnung austänzelnd. Die Boatpeople werden ordentlich durchwalkt, geschüttelt und der Sonnenbestrahlung ausgesetzt, ohne dass dies bei dem Fahrtwind irgendwer mitbekommt. Wir hämmern gen Norden und halten uns dann Nordnordwest. Immer entlang der tropischen Kulisse. Explodierende Fauna. Die Berge darüber gefüllt in schwere, faule Wolken. Die apathische Trägheit der vorbeifliegenden Galerien aus Lavastränden, Baumüberwucherungen und atmender Dünste. Der bleierne Jetlag des letzten Tages wird uns ausgehämmert, beim Staunen und Lungern, beim Hecheln und Wundern auf Douglas seinem schnellen 75er. Inseln ziehen vorüber, die Menschen winken und jubeln und ich erwische mich dabei, in Detzners Denke zu kippen. Der Pathos des Entdeckers liegt mehr als nur zum Greifen nahe.

Dann die Bucht von Finschhafen. Douglas steuert einen besonderen Ort an. Den Landungspunkt von Pastor Flier, der den christlichen Glauben hier den Stämmen brachte. Seine spätere Beliebtheit mußte er sich hart erarbeiten. Willkommen war neuer Glaube noch nicht, es war ja noch genug vom alten da und die bereits ansässigen Fremdindustriellen hatten nur wenig gutes gebracht. Just made für Germany.
Dann beginnt die Filmarbeit. Die Bucht wird abgedreht und auch unser Ankommen in der Bucht in Heldsbach. Großes Hallo der Bewohner und großes Wundern über das dreimalige Ankommen des Bootes, denn auch die Kameradrohne möchte das Ankommen filmen. Steffen und Lukasz (einmal von Rübe mit Tomasz angerufen!) bringen sich souverän an ihre Arbeitsfront, tasten sich in die Farben und Formen. Dann erhebt sich mit lautem Kindergeschrei die Kameradrohne, schwebt über dem Meer, um uns beim Einfahren in die Bucht von hinten zu begleiten, zu überholen und aufzusteigen über der gesamten Szene.

Erste Aufnahmen in der Bucht von Finschhafen. Lukasz Majka
Erste Aufnahmen in der Bucht von Finschhafen. Lukasz Majka (© Momo Kohlschmidt)
Steffen Cieplik und Lukasz Majka
Steffen Cieplik und Lukasz Majka (© Momo Kohlschmidt)
Lukasz Majka und Walter Teunzac
Lukasz Majka und Walter Teunzac (© Momo Kohlschmidt)
Preparing the Camera Helicopter
Preparing the Camera Helicopter (© Momo Kohlschmidt)

Wenig später bringt uns ein Jeep durch winkende Kindergruppen zum Gästehaus der Kirche von Heldsbach. Unser Guide Pastor Gys und unser Koch Gydy treffen ein und wir sind sofort erfüllt von spontanem Vertrauen. Mit ihnen werden wir die nächsten Wochen das „Hinterländ“ erkunden. Am Abend das erste traditionelle Essen. Wir nehmen es dankend mit roten Köpfen entgegen. Der Sonnenbrand wird uns diesen Tag für längere Zeit in Seele und Haut hämmern.

1 Kommentar zu „Hämmern.“

  1. Ich begrüße Eure filmischen Worte! Dass die Technik inmitten der grünen, feuchten Hölle, Euch ein wenig im Stich läßt – wen wundert`s…
    Ihr seid so sehr in meinem Bewusstsein, täglich, ja, fast stündlich! Gut immer, von Euch zu hören oder lesen!

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