Die Uhr umgestellt

Guten Morgen Lae! Guten Morgen Papua Neuguinea!
Es ist 6 Uhr local time. Ich wache von selbst zur neuen Zeit, die hier unser Tagesanfang sein wird auf und fühle mich erholt als hätte ich 10 Stunden Schlaf genossen. Real waren es 5.
Liegt es daran, dass ich eigentlich ein Langschläfer bin und meine innere Uhr ein Niuginien ist?

In diesem Moment geht die Sonne auf als hätte jemand den globalen Lichtschalter betätigt. Der Sound welcher diesen ersten Sunrise begleitet, ein Vogelchor in großer Besetzung, ist laut und vielstimmig. Im Hintergrund kann ich ganz klar die Melodie der ersten zwei Zeilen „Bruder Jakob“s erkennen. War der auch schon hier?
Die Anreise war sehr lang und käfteraubend. Die Belohnung ist atemberaubend.

 

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Hinterland (© Momo Kohlschmidt)

Auf dem letzten Flug gestern von Port Moresby nach Lae sah ich eine Landschaft von oben, wie ich sie nie gesehen habe. Hellgrüne samtene Berge, die sich wie Wanderdünen in der Wüste erheben und mit langen Fingern in die Flusstäler greifen. Ein visuelles Vorspiel, welches uns erahnen lässt, was uns im Landesinneren erwarten wird.
Neue Farben, neue Gerüche, eine neue Langsamkeit.

 

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(© Peter Adler)
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(© Momo Kohlschmidt)
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(© Momo Kohlschmidt)
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(© Momo Kohlschmidt)
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(© Momo Kohlschmidt)

 

Gestern Abend konnten wir, nach langer Zeit der Vorbereitung dieser Expedition endlich Walter Teunzac, unser Mann vor Ort, real begrüßen und mit ihm unser erstes Teamdinner einnehmen. Er trägt die Sonne im Herzen und wirkt sehr vertrauenserweckend. Wir legen uns ab heute in die Hände seiner Planung und Organisation. Und das fühlt sich gut an.
Nach dem Frühstück nehmen wir das Speedboat von Lae nach Fischhafen und fahren weiter in seine Kirchenmission nach Heldsbach, wo Walter mit seiner Familie lebt. Ab jetzt sind wir real auf den Spuren Hermann Detzners. Endlich! Was wird uns erwarten? Eine Frage die mit Neugier und Aufregung geschwängert ist. Unser Team ist gut aufgestellt und nach anfänglich krankheitsbedingten Einschlägen, gesund. Mein kleiner Finger, der wenige Stunden vor unserer Abreise aus Deutschland von einer Katze gebissen wurde und sich so entzündete und verformte, dass ich bis zum Einchecken am Flughafen Frankfurt nicht wusste, ob ich überhaupt mitreisen kann, hat wieder seine ursprüngliche Form und Farbe angenommen. Unser Basislager in Deutschland, Tom und Georg sind mit uns und der Ahne Detzners der neunte Mann unserer Gruppe.

Während ich diese Zeilen tippe steht die Sonne schon weit oben und meine Finger bleiben an jedem Buchstaben der Tastatur kleben als säße ich in einer Waschküche. Es sind vielleicht 29 Grad und die Luftfeuchtigkeit gefühlte 200 Prozent.
Ich gehe jetzt zum Frühstück und werde schauen wie es den anderen in der Gruppe heute Morgen geht.

Hier in Neuguinea tickt meine innere Uhr richtig. Der Spruch „Morgenstund hat Gold im Mund“ könnte von mir sein.

4 Kommentare zu „Die Uhr umgestellt“

  1. Voll heißhungriger Erwartungen öffne ich täglich den Papua-Blog. Werde wieder und wieder belohnt! Denke an Euch, stelle mir vor, wie Ihr, unvorstellbar!, auf der anderen Seite des Planeten Euch durch die grüne Hölle kämpft, Flüssiggas atmet, die Fliegen auf der Haut durch den Schweißstrom schwimmen lasst, das Staunen, von dem Tom sprach, in ungeahnte Oktaven erhebt. Das Gefühl währenddessen orte ich unterhalb des Brustbeins, zwischen den Rippenbögen. Vielleicht haben sich dort die „21 Gramm Mangan“ manifestiert.Und es läuft im Gleichklang mit Euch, acht Stunden hinterherhinkend…

  2. Das hört sich gut und sieht gut aus. Der Regenwald von oben. Da fällt mir ein, wenn nicht schon geschehen, schön wäre, wenn Lukasz auf dem Rückflug Bilder aus dem Flugzeug dreht. So kompakt sieht man die grüne Masse nur selten. Best Tom

    1. Lieber Tom, Lukasz wird auf dem Rückflug am Start sein und die Möhre raushalten. Bis dahin vergeht noch ein bisschen Zeit und hoffentlich viele Geschichten. Die Trennung zwischen dir und Lukasz ist manchmal nicht so einfach. So passiert es uns immer häufiger, dass wir Lukasz „Tomasz“ nennen ohne es zu merken. Ein Umstand, den wir wohl einfach beibehalten werden, weil es einfach so ist.

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