Tag 7 – Glück und Müdigkeit

Tellico Plains

Es war unglaublich, wir hatten vorgestern ein wundervolles Interview mit Tom Belt. Es ging in die Tiefe, in das seelische Begreifen der Geschichte. Ich habe in meinem Radioleben schon gut hundert Interviews geführt. Das Gespräch mit Tom war magisch, manchmal bin ich weggedriftet, wie unter Hypnose. Musste mich sammmeln für die nächste Frage. Wir hielten eine große Rückschau und auch eine Ausschau. Dann machten wir uns auf den Weg nach Robbinsville.

 

Prof. Thomas Belt
Prof. Thomas Belt

 

Doch der Mann, der uns vom Headquarter der Cherokees zum Gespräch offiziell empfohlen wurde, T.J. Holland geht weder an sein Telefon, noch beantwortet er mails. Scheint hier so üblich. Also versuchen wir es wie bei Tom Belt. Vor Ort sein, sich durchfragen und wie der Zufall es will, in einem Immobilienbüro für Cherokee-Häuser sitzt eine entfernte Verwandte von ihm. Page heißt die überaus freundliche Frau. Doch auch ihr gelingt es nicht den Cousin ihres Mannes ausfindig zu machen. Dann hat sie eine Idee. Ihre Schwiegermutter ist Full-Blood-Cherokee. Mit ihr können wir sprechen. Keine 30 Minuten später schiebt sich unser großer Camper in ein kleines Bergtal. Lou Jackson öffnet ihr schönes Haus für uns und wieder diese schnelle Vertrautheit. Im Interview erfahren wir, dass alle Cherokees nach der Vertreibung aus ihrer Heimat ihre Namen ablegen mußten. Aus Kleine Schlange wurde Bill Smith, aus Der es versuchte und es verfehlte wurde John Ross. Ich weiß, woran mich das erinnert. Lou erzählt bildreich von ihrem Leben in Snowbird, in den Bergen. Dort hat sich wieder eine autonome Cherokee-Gemeinschaft gebildet, die an das alte Leben des Stammes anknüpft. Beinahe hätten sie auch ihre Sprache verloren. Doch Aktivisten wie Lou Jackson kämpfen nicht nur um das Bewahren, sondern auch um die Neubelebung. Zweimal im Jahr treffen sich die Stammeshälften (die in North Carolina und die in Oklahoma) um der Sprache fehlende Wörter zu verleihen. Vielleicht wird dann aus Computer Tippender Spiegel und aus Internet Sprechende Wellen.

 

Lou Jackson
Im Interview mit Lou Jackson

Als wir aufbrechen, fährt uns Lou voraus. Sie will uns noch einen besonderen Weg zeigen. Nach ein paar Meilen weist sie uns zum Skyway der südlichen Appalachen ein. Wir winken und fahren dem Himmel entgegen. Immer wieder atemberaubende Ausblicke über das Cherokee-Land. Nach fünfzig Meilen tauchen wir hinab nach Tennessee in ein neues Habitat. Sanfte, sattgrüne Hügel. Lieblichkeit wohin das Auge schaut. Die Tellico-Plains. Hier hat Prieber gewohnt, bei den Tellico-Cherokee. Wir machen am Hidden Lake fest, ein malerischer Campground, den drei große wilde Hunde mit uns zu teilen gedenken. Das passt wunderbar, denn wir sind hundemüde, auch vor Glück.

Hidden Lake Campground – Tellico Plains
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