Hello white men – Großes Lachen – Bethelnuss

Tenkiu - Danke! Das erste was die deutschen Missionare den Niuginis beibrachten.
Tenkiu – Danke! Das Erste was die Deutschen den Niuginis beibrachten. (© Momo Kohlschmidt)

Papua Neuguinea, das Land der Lachenden Gesichter.
Wir haben nun zwei Nächte in Walters Mission hier in Heldsbach verbracht. Am Abend unserer Ankunft lernten wir Pastor Gais, unseren Guide auf der Expedition und Gaity, unseren Koch auf unserer Reise durchs Landesinnere kennen. Die Chemie stimmt. Auch sie sind unserer abendlichen antibakteriellen Sundownermaßnahme nicht abgeneigt. Keiner von uns möchte an Durchfall erkranken. 30ml Whisky müssen es bringen. Keiner hat ein Problem damit nur die 30ml sind manchmal schwer zu halten. Schnell ist eine Null mehr dabei.

Mission in Heldsbach
The White House – Mission in Heldsbach (© Momo Kohlschmidt)
Kai-Uwe Kohlschmidt, Gais, Gaity
Kai-Uwe Kohlschmidt, Gais, Gaity (© Momo Kohlschmidt)

Mit Gais und Gaity fuhren wir gestern recht abenteuerlich auf der Ladefläche eines offenen Jeeps nach Finschhafen und Simban, die Orte der Erstkontakte deutscher Missionare um 1885.
Der Fahrer hatte nicht sonderlich Mitleid mit unseren verwöhnten Hinterteilen und heizte ordentlich die Schotterpisten an den Berghängen der Küste auf und ab. Immer wieder stehen die Niuginis am Straßenrand, winkend und schreiend, voller Freude und Neugier. „Hello white men!…“ Und ein großes Lachen in ihren schönen Gesichtern.

Niugini Boy
Niugini Boy (© Momo Kohlschmidt)

Kleine Märkte mit Kokosnuss- und Yamsständen. Es scheint als feiern sie in Permanenz das Leben. Es ist schon seltsam, dass wir Deutschen darüber nachdenken und uns fragen, warum der Niugini so sehr voller Freude ist, wenn er dem Fremden begegnet. Man stelle sich diese Situation in Deutschland vor. Würden wir ein derartiges Empfangskomitee an den Straßenrändern auffahren, wenn wir einen vollen Jeep mit Niuginis an uns vorbeifahren sehen? Wohl eher nicht. Beklemmung und Scham macht sich breit.

Auch als wir Simban erreichen und das Dorf sich mit seinem Gouverneur um uns versammelt, um uns ihre prächtige Kirche und den Ort der ersten Zeltstätte Johann Flierls zu zeigen, werden wir Deutschen mit großer Dankbarkeit empfangen.

Malereien in der Kirche in Simban
Malereien in der Kirche in Simban (© Momo Kohlschmidt)

Wir sprechen mit den Einheimischen, die uns mit großen Augen und ihren roten Mündern und Zähnen anschauen. Die Bethelnuss ist hier dem Rauchen in der westlichen Zivilisation gleichzusetzen. Ein drogenähnliches Genussmittel, dass in Verbindung mit einem Pulver, „Lime“ genannt, einen ziegelroten Speichel bildet, der dann farbenprächtig ausgespuckt die Wege ziert. Wir fragen nach ihren Namen. Hier heißen sie Walter oder Felix. Deutsche Namen. Der Gouverneur bedankt sich bei uns, dass wir Deutschen ihnen das Christentum gebracht haben. Der Knoten im Hals der Manganer wird spürbar unerträglich. Fragen werfen sich auf. Hat der Deutsche ihnen wirklich so viel Glück gebracht? Der Deutsche, der dieses Land besetzte um Kokosnuss-, Kaffee- und Kakaoplantagen zu unterhalten? Der Deutsche, der den Niuginis erst das Land nahm und sie dann auf den Plantagen arbeiten ließ? Der Deutsche, der am Ende seiner Kolonialzeit in Papua den Krieg in das Land der lachenden Gesichter brachte?
Das Schwert ist zweischneidig. Der Deutsche brachte Bildung, Struktur und den christlichen Glauben aber nicht ohne eine happige Gegenleistung.

Ankunft in Simban
Ankunft in Simban (© Peter Adler)
Simban Village Kids
Simban Village Kids (© Momo Kohlschmidt)

Auf der Suche nach Hermann Detzner gelang uns am Ende des langen Tages noch ein kleiner Glücksgriff, wie es ja oft ist, wenn man bereit ist sich einzulassen. Hoch oben über dem ehemaligen Hafen „Finschhafen“ am Berghang sah man eine stattliche Villa im Kolonialstil durch den Dschungel blitzen. Wir bestanden darauf diese Villa zu besuchen. Gais sagte, ein Deutscher hätte einst diese Villa gebaut, wusste aber nichts Näheres. Der Jeep quälte sich eine vollkommen zugewachsene Dschungelstraße nach oben. Die Ladung auf der Ladefläche, also wir, wurden am Heck des Wagens zu einer komprimierten Masse zusammengepresst.
On the top ein stalkaeskes großes und leeres Gebäude mit Turm und Terrassen weit über der Lagune der Manaba Bay (Finschhafen) stehend. Was für eine Aussicht.

Altes Gouverneurshaus über der Bucht von Finschhafen
Altes Gouverneurshaus über der Bucht von Finschhafen (© Momo Kohlschmidt)

Plötzlich kommt ein Niugini, ein alter Mann mit Machete, aus dem Busch und begrüßt uns laut und freundlich. Er ist der Interimsbesitzer dieses Hauses. Er pflegt es und rettet es vor dem Verfall. Für mehr reicht es nicht. Das Haus ist vollkommen leer. Nur eine kleine Schlafstelle am Boden mit einem Moskitonetz verhangen. Der Mann erzählt uns die Geschichte des Hauses. 1913 von dem damaligen deutschen Gouverneur als Residenz gebaut, überstand es unbeschadet den ersten Weltkrieg und im zweiten die Angriffe der Japaner aus der Bucht von Fischhafen und aus der Luft. Ein Zeichen der Zeit liegt noch immer, wie ein Riss durch ein schönes Bild, in der blauen Lagune zu Fuße des Hauses und ragt rostig mit Bug und Heck aus dem Wasser. Ein Japanischer Militärfrachter.
Der Mann führt uns durch das große Haus und man kann unter all der Patina und dem nicht mehr Vorhandensein der Wände oder Terrassenböden noch deutlich die kolonialistische Herrschaftlichkeit erahnen. Wie der Erbauer dieses Hauses hieß erfahren wir an diesem Tag nicht mehr. Dafür schwingt sich der Niugini zu der ein oder anderen Geschichte über die Deutschen in Finschhafen und in Sattelberg auf. Auch meint er etwas über Hermann Detzner zu wissen, der, davon gehen wir aus, seiner Zeit dieses Haus besucht haben muss. Die Geschichte die er erzählt ist berührend und mystisch zugleich. Ist es wirklich Detzner über welchen er da redete? Denn wenn dem so ist wird der alte Mann noch immer regelmäßig von Detzner hier in diesem großen Haus besucht. „Detzner is alife…“, so der Niugini, „…and still here!“.
Das lädt uns auf und trägt uns weiter in der Geschichte um Detzner und seinem Schicksal. Wir verabschieden uns von dem alten Mann und bedanken uns für seine Offenheit. Er aber hat noch ein kleinen verborgenen Ort für uns inpetto, den er uns zeigen möchte. Ein deutscher Friedhof aus der Kolonialzeit. Nicht einfach zu finden. Der Dschungel hat ihn sich zur Brust genommen und einverleibt. Der Mann springt auf die Ladefläche unseres Jeeps, ausgestattet mit der landestypischen Machete und bringt uns zu dem verborgenen Friedhof. Er schlägt uns den Weg frei und tatsächlich… deutsche Gräber unter einem grünen Mantel, recht gut geschützt und darum noch gut erhalten. Erneut winken wir ihm und wünschen uns und ihm, dass wir uns Wiedersehen.

Deutscher Friedhof nahe Heldsbach
Deutscher Friedhof nahe Heldsbach (© Peter Adler)
Maraba Bay. Finschhafen mit japanischen Schiffswrack
Manaba Bay. Finschhafen mit japanischen Schiffswrack (© Momo Kohlschmidt)

Auf dem Rückweg besuchen wir noch einmal die Bucht Fischhafen um die Bilder zu drehen, die wir brauchen. Die Kameradrohne macht sich übers Wasser auf den Weg zum japanischen Schiffswrack, weit draußen in der Bucht und zeigt das Boot nun aus der Luft, durch das klare Wasser in Gänze. Noch einmal stellen wir uns vor, dass eben auch hier im Paradies der Krieg wütete und kriegen die Bilder und Erlebnisse der letzten Tage im Kopf nicht ganz zusammen.

Finschhafen. Lukasz Majka
Finschhafen. Lukasz Majka (© Momo Kohlschmidt)
Mark macht Siesta
Der Komponist horcht ein bisschen nach innen. – Mark Chaet (© Peter Adler)
Peter Adler und die Kokosnuss
Kokosnusscocktail – Peter Adler (© Momo Kohlschmidt)

 

 

1 Kommentar zu „Hello white men – Großes Lachen – Bethelnuss“

  1. Wunderbar, wie Ihr beschreibt! Bin so gespannt auf mehr Bilder in Wort, Ton und Film. Wäre schön, wenn es ein Ventilieren mit Tom und Kai gäbe. Lukasz ist zwar manchmal Thomasz im Busch, aber Tom lugt ein bisschen traurig aus dem Beton raus…
    Ich denke an Euch, bis bald an dieser Stelle wieder!!!!

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