Expeditionsblog Schottland 2017

The final day

Wir sind zurückgekommen. Nach Oban, Dunstaffnage. Morgen früh geht es mit der Eisenbahn nach Glasgow, von dort mit dem Flugzeug nach Deutschland. Ich habe mir meine Lieblingsmusik auf die Kopfhörer gegeben. „Music for 18 musicians“ von Steve Reich., denn auf dem Oberdeck lärmt noch die Schlußparty. Es gibt kein wirkliches Verstehen von Musik, nur das Erleben. Die Audioaufnahmen des Chores von Mull z.B. können das nicht im geringsten wiedergeben, was wir gestern gefühlt haben. Die Spannung senkt sich. Ich kenne das von anderen Expeditionen. Sobald man sich in irgendeiner Sicherheit wähnt, überkommt einen bleierne Schwere und Müdigkeit. Die unterbewusste Anspannung gibt lose. Ich mag nicht mehr schreiben, denken, resümieren. Es ist als, senkt sich alles auf den Grund. It is done. Zumindest vorerst. Später werde ich die Hummerkiste, das Erinnerungskompott wieder hochziehen, wenn meine eigentliche Arbeit beginnt, Ich mag nicht dran denken. Wie gesagt, ich mag gerade gar nicht denken. Ich lass mal nur die Bilder sprechen. Over and out. Fotos: Momo Kohlschmidt ...
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Tobermory again – Die Acht vollbracht, fast.

Gestern gab es kein Netz, denn gestern ankerten wir vor Iona, der Insel der schottischen Könige. Unsere Umrundung von Schottland haben wir gestern in Oban abgeschlossen. Da noch drei Tage verblieben, haben wir uns noch die Umrundung von Mull zur Brust genommen. In Iona wurden nicht nur die Gebeine von Macbeth niedergebracht, sondern 48 weiterer schottischer Häuptlinge. Sie kehrten zum Schoß ihrer Christianisierung zurück. Denn von dieser Insel startete um 500irgendwas der neue Glauben, den Columban aus Irland brachte. Die Protestanten schließlich ließen den Friedhof räumen und kippten die Gräber mit kalter Hand samt Inhalt ins Meer. Aufräumen. Paradigmawechsel mit Funkenflug. Es hat lange und blutreich gekracht in Schottland. Noch heute gibt es leidenschaftlichen Disput zwischen den Konfessionen. Heute gingen wir unter Segeln nach Norden nach Staffa, einem malerischen Gestade aus Basalt und Wiese. Ein fotografischer Traum, den ein Vulkan ins Meer hämmerte. Dann rundeten wir Mull und liefen erneut in Tobermory ein. Das immerwährende Glück unser drei Wochen zauberte noch ein Sahnehäubchen hervor. Der Chor von Mull gab ein Ständchen in einem Pub. Es war ein ergreifendes Konzert gälischer Gesänge. Der zweite Bass erzählte uns, dass es verwandschaftliches Gefauche in unseren Sprachen gibt. Also in der deutschen und der ...
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Im Glen Roy

Wir haben es geschafft und das Tal von Glen Roy besichtigt! Aber der Reihe nach. Der Kaledonische Kanal hatte noch reichlich Überraschungen zu bieten. Zeigte er sich hinter Fort Augustus noch wie der heimatliche Spreewald, zog er bald schon reichlich Register auf der Hochgebirgsorgel, entfaltete hohe Pracht am Loch Oichy, wandelte sich danach in einen zauberhaften Regenwald, wie er auch in British Columbia zu sehen ist, krönte sich am Loch Lochy mit dem Ben Nevis und führte uns sacht nach Banhavie. Der erste Tag unser Reise ganz ohne Regen hatte uns mit den mannigfaltigsten landschaftlichen Formen und Szenerien geschmeichelt. An Nachmittag schon machten wir in Banhavie fest. Nahmen Strom und Wasser und widmeten uns ganz der Entspannung. Hier endet der Kanal beinahe. Es erwarteten uns heute morgen noch 9 Schleusen hintereinander, die Neptunes Staircase. Ganz umsonst hatten wir hier nicht festgemacht, denn gestern war Wandertag. Ein Expeditionschor machte sich auf den Weg zum großen Glen Roy. Wolf, Katha und der Skipper besichtigten Fort William. Momo, Diddi, Rübe, Ariane und ich hingegen nahmen die Scottsrail und fuhren zwei Stationen bis Roy Bridge, um dann unseren 10km Fussmarsch anzusetzen. Vor 176 Jahren war Lois Agassiz hier hinauf gestiegen. Ein Mann der Empirie ...
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Bootskoller

Er kommt, da kann man machen, was man will. Es sind einfach nur round-about fünfundzwanzig Quadratmeter Platz für uns acht und irgendwann platzt einem das Oberstübchen, vom ewigen Gesumm der nahen Freunde, vom dauerhaften Gewitzel, vom Schwätzchen, vom Gekreisch ab neun Uhr abends. Wir haben vier winzige Kabinen, zwei kleine Toiletten, einen schmalen Salon unter Deck und das immer nass-kalte Oberdeck. Selbst wenn, wie wir, alle gut drauf sind, kann einem das gehörig auf die Ketten gehen. Habe ich gesagt, auf die Ketten gehen? Unsinn. Es ist die Hölle, der Horror, der blanke Furor. Diese Bande! Wir sind  Laberbären, Debile, Witznudeln, Quasselstrippen, Besserwisser, Nörgelköppe, Jammerlappen und Seeamateure. Und Punkt, Punkt, Punkt. Und drei Ausrufezeichen!  Eine elende Runde Hyperaktiver in einem schwimmenden Mäuseloch. Ich halt mir die Ohren zu. Es gibt kein Entrinnen. Der Bootskoller, dammich! Und immer denkt man natürlich nur an sich. Wer weiß, wie es den anderen geht und wann sie ihren Koller in einem Fluch verdrücken und mal im Kabinchen verschwinden, scheinfröhlich zurückkehren (wer weiß, was die da machen) und sich versuchen, zu resozialisieren. Fast immer angenehm dann, wenn ein seglerisches Manöver uns wieder zur Mannschaft werden läßt und man sinnvolle Dinge tun muss. Winschen, fendern, Leinen ...
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Die Entdeckung der Eiszeit

Nach dem Atlantik und der Nordsee werden wir nun unser drittes Revier in Angriff nehmen. Die Highlands von Schottland. Sie werden von einer großen tektonischen Verwerfung, die des Great Glen durchbrochen. Der renommierteste Ingenieur Britannien Thomas Telford ließ zwischen den tiefen Seen von Loch Ness, Loch Loch und Loch Oich  zwischen 1803 und 1822 den Kaledonischen Kanal ausheben.  Neunundzwanzig Schleusen erwarten uns und für mein Radio-Feature meine Kerngeschichte, die des Louis Agassiz. Die Entdeckung der Eiszeit. Louis Agassiz Im Jahr 1840 durchstreifte Louis Agassiz die Highlands von Schottland. Der berühmte Gletscherforscher war seit einigen Jahren einer abenteuerlichen Idee aufgesessen. Die Formung der europäischen Landschaft, die Herkunft all der seltsamen Findlinge und eratischen Blöcke konnte eine bisher nicht gedachte Ursache haben. Es musste eine ungeheure Vereisung stattgefunden haben. Als er das Tal von Glen Roy erreichte, ist er überwältigt und sieht sich bestätigt. Die gigantischen Terassen des Tales sind eindeutig von glacialer Hand geschaffen. Doch wo sollte ein massiver Gletscher im relativ niedrigen, schottischen Gebirge seinen Ursprung haben? Es gab nur eine Erkärung. Es muss ein Zeitalter der großen Kälte gegeben haben. Eine Eiszeit. Die Wissenschaft hörte dem renomierten Forscher wohlwollend zu, gleichwohl erklärten sie ihn viele Jahre lang für besessen ...
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Schlickspiele um Mitternacht oder „Tidenkummer lohnt sich nicht, my darling“ …

Also: Helmsdale. Das Anlegemanöver in Wick, unserem vorherigen Halt, lief noch ab wie aus dem Lehrbuch: wir machten so smooth an der Pier fest, wie der Fettfleck auf der Hühnersuppe am Tellerrand anlegt. Beim Auslaufen am nächsten Morgen-nach unserem Bergfest (s. Momos voriger Eintrag)-raten uns die Jungs von der Lifeboat-Crew in Wick noch zum Einlaufen in Lossiemouth, aber das wäre ein Schlag von über 45 Seemeilen, und die haben wir für diesen Tag so überhaupt nicht auf der Rechnung. Also: Helmsdale. Da sieht das Anlegemanöver dann anders aus … In unserem Bord-Vademecum ist Helmsdale als kleiner Fischerhafen beschrieben, ohne Tiefgangsbeschränkung; allerdings befinde sich in der Einfahrt eine kleine Sandbank, auf die solle man bei Niedrigwasser achten. ( Ham ja zuhause sowieso immer alle gesagt, wenn es um den Törn ging – Tide, Tide, Tide …) Der Skipper sagt auf halber Strecke, ich soll mal da in Helmsdale anrufen und den Hafenmeister fragen, wie das aussieht, ob das sicher ist, dann und dann da reinzufahren … Nun bin ich zwar des Englischen zwar so einigermaßen mächtig; aber erstens reden hier alle im Schottischen Idiom-wir sind in Schottland(?!)-und zweitens geht es ja in solch einer Situation nicht darum, einfach mal n Bier zu ...
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Bergfest und neue Wasser

Wir liegen im Hafen von Wick am Schwimmsteg und stellen fest, dass wir exakt die Hälfte unserer Reise hinter uns?… oder vor uns?… haben. Wir sind ein bisschen erschrocken. Eigentlich fühlt es sich so an, als seien wir gerade los gereist und gleichzeitig schwingt in uns ein Gefühl von gemeinsam erfahrener Ewigkeit. Wir tragen Schottland, dieses wunderbare Stückchen Erde, schon lange in uns. Die Menschen hier sind von unfassbarer Freundlichkeit und mit einem gutem Humor unterwegs. Die Landschaft ist von ausgeprägtem Charakter, wie die Gesichter der Schotten. Vielfältig und um jede Ecke anders. Hohe Berge und Felsen im Westen, Steilküsten, rau und schroff im Norden. Berge weich geschwungen und in einem satten Grün im Osten. Die Küsten strecken ihre Arme einladend nach uns Reisenden aus. Überall möchte man anlegen. In Höhlen kriechen, auf Klippen sitzen, das Grün berühren. Da wir ja auf dem Wasser reisen hat man manchmal das Gefühl, dass wir Schottland nur von außen ankratzen.  Und manchmal denke ich, wir sehen alles immer nur aus der Ferne, wie durch die Kameralinse, mit Ausnahme der Nächte, die wir in Häfen liegen. Eine Insel, die ein Insel umkreist. Aber das stimmt so nicht. Wir umarmen Schottland mit dieser Reise und ...
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Scapa No

Langsam cruist unsere „Raphy G“ in die Scapa Flow hinein. Wir haben Stromless verlassen und wir fahren in die große Bucht, in der eine besondere Geschichte versenkt ist. Wir sind gespannt, ob das unsichtbare noch fühlbar ist. Verschiedene Karten werden heraus geholt, Fotos verglichen und deutsche Namen fallen. Kronprinz Wilhelm, Markgraf, Bayern und Friedrich der Große. Auf den Seekarten sind Umrisse verzeichnet. Lange ovale Flächen, die sich uns nähern und sich unter der ruhigen, bleiernen See befinden. Dann ist es soweit. Dietmar sagt, das ist sie, die „Dresden“. Wir befinden uns jetzt genau darüber. Der Umriss des Schattens auf dem Display unseres Navis weist eine Länge von 150m und 13m Breite auf. Es ist Seiner Majestät Schiff „Dresden“, ein Kreuzer der Kaiserlichen Marine. Schaut man in die Vitas der 71 Schiffe, die sich 1919 hier selbst versenkten, findet man wenig Ruhmreiches, viel Trauriges, manch Kurioses. Die „Dresden“ war eine Neuauflage eines gleichnamigen Kreuzers, dessen Hang zum Suizid, dem Erbauer zu denken hätte geben sollen. Das Wrack des Vorgängers liegt vor der Robinson-Crusoe-Insel im Pazifik nahe Chile. Ebenfalls selbstversenkt. Der Wahn und die Hybris der europäischen Majästeten hatte die Europäer millionenhaft zur Schlachtbank geführt. Irgendwer schrieb mal, nur der Mensch ist ...
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