Expeditionsblog Mocambique 2015

Otitis externa – Ich bin bereit

Nachtrag zur räumlichen Distanz Am Airport in Frankfurt angekommen, quälte mich vorallem eine akute Otitis externa (äußere Ohrenentzündung). Das lag gewiss nicht an dem Gehörten der vergangenen zwei Wochen. Es war wohl der eigene Rucksack, der drückte. Wenn eine Flugreise ansteht, gibt man den Rucksack einfach auf und holt ihn am Förderband der anderen Welt ab. Einfach so. Wir sind so frei. Wir detonieren wie Ufos unter dem Stigma einer künstlerischen Idee in einer fremden Welt – in Mozambique. Wir nehmen diese Idee sehr ernst. Leeren unseren Rucksack auf den Straßen Maputos und befüllen ihn neu. So als wäre der Austausch globales Programm. Wir sehen, hören, riechen, staunen und lernen. Unser Blog berichtet das. Wir bewegen uns selbst- und unsicher durch unbekanntes Gelände. Wir behaupten uns in diese fremde Welt hinein. Das funktioniert nicht so einfach, doch genau das ist die einzige Chance, die wir haben. Wir machen uns nackig ...
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Tag Zwölf / Neu-Afrika

Die Geometrie Europas. Haus und Feld und kalte Luft. Die Temperatur der Sieger. Im Halbschlaf mit der Bahn durch Mitteldeutschland in die Pampa, wo ich mit SANDOW gastiere. Im legendären Landei von Lugau. Besichtigung der Pension in der benachbarten Kleinstadt. Gespräch mit dem Gastwirt. Er eröffnet: Naja hier ist ja nicht mehr viel los. – Ziehen wohl alle weg? – Jaja, das wird nischt mehr. – Hmm. –  Aber vierhundert Flüchtlinge haben sie uns aufgebrummt. In die alte Kasernen. – Oh, da kommt wieder Leben in die Stadt. – Na ich weeß ja nich. – Vielleicht kommen die auch mal hier in die Kneipe, gut fürs  Geschäft. – Das können se mal schön bleiben lassen. –  Usw. usw.  Szenen einer Nachbarschaft. Ich erzähle von Afrika. Der Mann wirkt verunsichert. Nicht wie ein Sieger. Was weiß er? Und wer wird bald kommen.  Ich wünsche ihm, dass ein paar Mocambikaner darunter sind. Die ...
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Wieder daheim

Ich bin wieder in Frankfurt – pünktlich zum Kaffee allerdings mit etwas rotem Gesicht … Ich habe das Café gewechselt (Maputo->Frankfurt) ...
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Over and out

Nun naht der Moment des Aufbruchs. Eine letzte Arschbombe in den Pool, den Kopf abkühlen. Dann mit viel Geschick eine Rechnung vom Hotel erkämpfen. Wir Deutschen lassen uns gern alles belegen. Die Mozambiquaner unterstützen die Belegsucht der Deutschen ungern. Aber auch hier gilt, mit der nötigen Zeit erhält man final doch bedrucktes Papier für deutsche Filmförderungen und deutsche Finanzämter. Danach noch ein kurzer Abstecher ins Ministerium. Hände schütteln, Danke sagen. Vertraute Wege, vertraute Rituale. Dann werden wir zum Flughafen peitschen. Umarmungen. Ines und Raul. Jorge und Dido. Vertraute, lieb gewonnene Menschen. Ein letzter Blick. Dann werden wir uns aufs Pferd setzen und wie Charles Bronson in die Tiefe reiten: “Irgendeiner wartet immer!” Es klopft, es geht los. Nun lege ich den Füller nieder. Over and out ...
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Impressão da Maputo

Anbei noch ein paar Eindrücke vom letzten Drehtag. “Auf Wiedersehen – Deutschland ist priiiiimaaa!” Alles vertont Tom am Zeitzeugen Kameramann von vorn (mit Ausnahmegenehmigung) Kunst an der Waffe Makarovs zu Vögeln Das alte Kolonialviertel Fotografieren verboten Alt und neu Hut des Vaters aus Reihe 4 gesehen ...
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Der Tag am Meer

Die gute Nachricht ist, wir haben heute einen Offday, den wir am Meer verbringen. Die Schlechte, Georg muss uns leider heute schon verlassen. Ein guter Freund verlässt das Schiff. Was werden wir wohl ohne Fachberatung in Sachen Wein, besonderem Essen, thüringischer Mundart, Rechtsberatung und vorallem in Sachen Africa heute Abend am Pool erleben? Da kommt schon etwas Wehmut auf, wenngleich wir uns alle auf zu Hause freuen. Kai zitiert gern Pückler der sagte, es geht nicht darum zu reisen, sondern gereist zu haben. Eine Verknappung mit viel Wahrheit. Am Meer sitze ich allein auf einem Stein. Die Bilder der vergangenen Tage ziehen vorüber. Wie immer auf Reisen Fragen. Mehr Fragen. Wer schuf unser Privileg? Gott? Die Gnade geografisch günstiger Geburt? Nutznieße ich? Welchen Sinn hat mein/unser Tun? Übermächtige Projektionen auf das Land unsere Reise – Mozambique. Wir lassen Menschen, lieb gewonnene Menschen zurück. Ein ganzes Land. Wir werden zu Hause ...
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Erfolgsautor, Rockstar und Kameralegende – Reflektionen

Unsere Reise nähert sich dem Ende, nicht zuletzt weil das Ziel, unsere Zwischenetappe erreicht scheint. Für mich ist der Mosambik-Teil des Projekts damit eigentlich erledigt, wir haben nur noch zwei Termine: heute Strand und morgen Ministerium. Wenn es gut läuft, bekommen wir nämlich am letzten Tag unserer Reise die Drehgenehmigung. Aber auch ohne Genehmigung hat es sich ja gut gedreht. Immer wenn jemand Theater machte, hat Tom teilnahmslos geguckt (darin ist er sehr sehr super) und hat die Kamera laufen lassen, während ich eine sinnlose Konversation angefangen habe. Danach heuchelten wir Einsicht und verschwanden einfach wieder. Ich frage mich aber, wie die drei Stars in unserer Gruppe sich jetzt noch motivieren, aus gefühlten zwei Jahren Filmmaterial (es werden in Wirklichkeit wohl so 24 Stunden sein) unseren Film zu schneiden und zu vertonen. Eigentlich habe ich fast ein schlechtes Gewissen, dass ich da nicht helfe. Aber das ist wohl das Schicksal ...
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Tag zehn – Wir buchen um (Offday / Off-Georg)

Armada-Film gibt heute einen Tag frei, unseren letzten. Bis gestern waren noch die Lebombo-Berge tief im Lostopf unser Wünsche. Da wo alle Hoffnung erstarb und Samora Machels Maschine abstürzte. Unser Visa ist nur “single”, also zur einmaligen Einreise bestimmt. Der zweistündige Exkurs nach Südafrika wäre sehr wahrscheinlich mit ordentlich Sackgang und Extra-money verbunden. Wir buchen um und wählen den Klassiker: Shopping and Beach. Mocambik, das Land am Kap der verstorbenen Hoffnung stellt leider nicht viel her, verkauft vor allem die Schätze des Bodens. Das heißt die Auslagen gleichen denen von Wladiwostok und denen von Caracas, China-Plaste-und Elaste. Was de kriegst, das haste. Wir buchen um. Jorge weiß einen Laden. Es gibt bunte Tücher für schmales Geld. Wir schlagen zu in rauhen Mengen “Vamos para a praia!” Jetzt schnell zum Strand, doch die Fachberatung befiehlt Einhalt. Die Tücher brauchen einen Saum. Wo ein Tücherladen ist, ist auch ein Schneiderladen. Die Fachberatung ...
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Alles hat ein Ende,

nur die Wurst hat zwei. Singt Cossa und lacht sich einen. Kai, unser Musikforscher, wollte wissen, welche deutschen Lieder er kennen gelernt hat. Unser Film ist keine Wurst. Gestern das letzte Interview. Prudencia wohnt in einem geräumigen Steinhaus, im Wohnzimmer knallgelb gestrichene Wände, ein schweres Ledersofa, Flachbildfernseher. Das will gar nicht in diesen slumigen Vorort Maputos passen. Daneben Bretterbuden und Wellblechzäune. In Maputo spielen die Gefühle Ping Pong. Manchmal die chinesische Meisterschaft. Prudencia erzählt uns ihre Geschichte. Als sie das erste Mal in die DDR kam, war sie schwanger. Sie wusste es nicht. Nach der ärztlichen Untersuchung ging es wieder in die Heimat. Sie schaffte einen zweiten Anlauf, ein paar Jahre später. In Rathenow wird sie zwei Jahre arbeiten. Die Arbeitskollegen hat sie in bester Erinnerung, die Brigadefeiern und den Urlaub in einer kleinen Bugalowsiedlung des Betriebs. Als sie sich dort verlief, helfen ihr zwei Ostdeutsche, bringen sie zu ihrem ...
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